Schullandheim nach Passau

10.500 Schritte zählte ein Fitnessarmband in der Woche vom 3. bis zum 7. Juni 2019. Getragen wurde es von einer Lehrerin, welche die sechsten Klassen ins Schullandheim begleitete. Das entspricht einer Laufleistung von etwas über 50 km. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass diese Lehrerin einerseits ein Zimmer im fünften Stock bewohnte, andererseits an einem Tag nicht mitmarschieren konnte. Rechnet man nun die gesamte Strecke aller Schülerinnen und Lehrer zusammen, so kommt man auf eine Distanz von fast 4.500 km. Das entspricht in etwa der Entfernung von München bis nach Nowosibirsk. So weit reisten die Sechstklässlerinnen allerdings nicht. In der Woche vor den Pfingstferien ging es für sie auf die Veste Oberhaus nach Passau.

Hier gab es einiges zu erleben. Ein spannendes Stadtspiel führt die Mädchen durch die Gässchen der kleinen niederbayerischen Stadt. Zur Zeit der Alten Römer befand sich hier zum einen eine Grenze zwischen zwei römischen Provinzen und zum anderen die Grenze zwischen dem Römischen Reich und Germanien. Überreste eines alten Kastells bezeugen dies noch heute. Hier hatten die Schülerinnen auch die Möglichkeit, römisch Kleidung und sogar ein Kettenhemd eines römischen Auxiliars zu probieren. Man konnte sich bei strahlendem Sonnenschein und sommerlicher Hitze kaum vorstellen, dass Passau für die Römer eine unwirtliche Gegend war. Immerhin waren diese ja aus ihrer Heimat anderes gewohnt. So war es eine Besonderheit der Grenztruppen, dass sie – anders als die Bewohner der Hauptstadt – Hosen getragen hatten.

Bei einem Besuch der Dreiflüssestadt durfte eine Fahrt mit dem Schiff natürlich nicht fehlen. Diese führte die drei Klassen donauabwärts zum „Haus am Strom“. Neben der Schleuse für den Schiffsverkehr und einem Wasserkraftwerk wurde hier eine Umweltstation eingerichtet, die einige Entdeckungen zu bieten hatte. Nach der Führung durch eine Biologin blieben die Schülerinnen noch lange selbstständig in der Ausstellung und erforschten auf spielerische Art und Weise die biologischen Besonderheiten des Donautals. Zu Fuß ging es dann über die deutsch-österreichische Grenze und mit dem Schiff wieder zurück nach Passau.

Der letzte Tag bot ein kulturelles Highlight und einen Weltrekord in einem. In Passau steht nämlich die größte Kirchenorgel der Welt. Insgesamt 18.000 Pfeifen können in der Passauer Domorgel zum Einsatz kommen. Ob der Domorganist Ludwig Ruckdeschel allerdings alle beim Mittagskonzert, das besucht wurde, erklingen ließ, bleibt fraglich. Die größte Orgel weltweit steht übrigens in einem Einkaufszentrum in den USA und verfügt über 3000 Pfeifen mehr.

Abends bewiesen die Schülerinnen dann ihr eigenes Talent und spielten Theater, turnten oder brillierten in einer Quizshow, um der Fahrt beim Bunten Abend einen würdigen Abschluss zu verleihen.

Müde und voller Vorfreude auf die bevorstehenden Ferien trat man am Freitag den Rückweg an. Hierfür wurde der Bus benutzt, sonst wären deutlich mehr als 10.500 Schritte nötig gewesen. Wer weiß, wie weit es 82 Schülerinnen und ihre fünf Lehrer dann geschafft hätten?